Diskussionsveranstaltung über Bier in Brauerei

21/06/2022

Experten aus der Brauerei- und Züchtungsforschung diskutierten mit dem Publikum über nachhaltigeres und besseres Bier.

Passend zum Thema hatte CEPLAS vier Experten aus der Brauerei- und Züchtungsforschung in die Hausbrauerei „Zum Schlüssel“ in Düsseldorf eingeladen. Bei einem Glas Bier berichteten die Referenten zunächst jeweils aus ihren Bereichen und diskutierten anschließend mit dem Publikum über Möglichkeiten, unser Bier durch neue Züchtungsmethoden besser und nachhaltiger zu machen.

Das CEPLAS-Mitglied Dr. Götz Hensel erklärte den Besuchern als Leiter des „Center for Plant Genome Engineering“ (HHU) die Crispr/Cas-Technologie und welchen Regelungen es unterliegt. Dabei machte er deutlich, welche Chancen in dieser Technologie stecken, die in vielen anderen Ländern bereits genutzt werden.

Von der Technischen Universität München waren Prof. Dr. Thomas Becker, Leiter des Lehrstuhls für Brau- und Getränketechnologie, und der Doktorand Kai Büchner aus der Arbeitsgruppe „Getränke- und Getreidebiotechnologie“ nach Düsseldorf gekommen. Nachdem Thomas Becker die Entstehung und Bedeutung des deutschen Reinheitsgebotes erklärt hatte, erläuterte er, wie neue Züchtungsmethoden in der Brauereiforschung eingesetzt werden können. Seiner Meinung nach besteht beim Einsatz dieser Methoden nicht die Frage, ob sie eingesetzt werden, sondern wer sie einsetzt und wo sie eingesetzt werden und spielt damit auf vergebene Chancen des Einsatzes in Deutschland an.

Kai Büchner beschäftigte sich in seinem Statement mit der Frage, wie das Bier durch Forschung an der Hefe besser und nachhaltiger gemacht werden kann. Als Beispiel nannte er die Verkürzung der Gär- und Lagerzeiten und einer damit verbundenen Einsparung von Energie. Die Glutenunverträglichkeit sei ein weiteres hochaktuelles Thema, das durch den Einsatz von neuen Züchtungsmethoden schneller zum Angebot von entsprechenden Produkten führen könnte.

Der Geschäftsführer der Saaten-Union Biotec GmbH Dr. Jon Falk schilderte, welche Erleichterung die Anwendung neuer Züchtungsmethoden für die Zulassung neuer Sorten bedeuten würde. Da die Genome der Pflanzen mittlerweile vollständig bekannt seien, wäre es möglich, gezielt Eigenschaften zu verändern, womit die Zeit von etwa 12 Jahren, um eine neue Sorte zu züchten, deutlich verkürzt werden könnte.

Im Anschluss an die kurzen Impulsbeiträge der Experten wurden zahlreiche Fragen gestellt, die sich zu einer regen Diskussion entwickelten. Dabei stellte sich heraus, dass die meisten Teilnehmer*innen die Anwendung von CRISPR/Cas in der Pflanzenzüchtung befürworteten. Die Kommunikation zur Gentechnik entwickelte sich zu einem der Hauptthemen in der Diskussion, die von Christiane Freitag von der Genius GmbH souverän geleitet wurde. So sprach sich Thomas Becker dafür aus, dass die Kommunikationshoheit wieder an die Wissenschaft gehen müsse und Jon Falk forderte Kompromissbereitschaft von Befürwortern und Gegnern der neuen Züchtungsmethoden ein. In einer Schlussrunde entschieden sich alle Experten für eine Gentechnik-Kennzeichnung auf einem eigenen Produkt, das sie hypothetisch mit neuen Züchtungsmethoden entwickelt hätten.

Nach der Diskussionsrunde stand ein Snack bereit, den alle Teilnehmer*innen nutzten, um weiter Gespräche zu führen und sich auszutauschen.

Götz Hensel, Kai Büchner, Thomas Becker, Christiane Freitag, Jon Falk

Heinrich Heine University
University of Cologne
Max Planck Institute for Plant Breeding Research
Forschungszentrum Jülich