Interview Bart Thomma

Leiter des "Cologne Center for Microbial Interactomics", Institut für Pflanzenwissenschaften, Universität zu Köln

Sie wurden für eine Humboldt-Professur und den Aufbau des „Center for Microbial Interactomics” am Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität zu Köln ausgewählt. Was steckt hinter diesem Zentrum und welche Ziele verfolgen Sie damit?

In der Tat habe ich im Rahmen meines Alexander von Humboldt-Antrags vorgeschlagen, ein interinstitutionelles und fakultätsübergreifendes "Cologne Center for Microbial Interactomics" ins Leben zu rufen, um verschiedene Gruppen zusammenzubringen, die sich mit Forschung zur Interaktion von Mikroben mit anderen Organismen befassen, darunter Pflanzenwirte (CEPLAS), tierische und menschliche Wirte (CECAD-Exzellenzcluster) sowie andere Organismen wie Bakterien, Pilze und einzelligen Lebewesen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir über die binären Interaktionen einer Mikrobe mit ihrem Wirt zum Beispiel hinausschauen sollten, aber die Gesamtheit der Mikroben einbeziehen sollten, die in solchen Umgebungen agieren. Angesichts der Bedeutung der Umwelt für die Etablierung solcher mikrobieller Interaktionen, insbesondere in der Boden- und Wasserumwelt, wäre es zudem schön, auch die Geowissenschaftler einzubeziehen, beispielsweise um bodenbedingte Faktoren bei der Gestaltung solcher mikrobieller Interaktionen zu berücksichtigen.

"Eine so große Gemeinschaft mit einem so starken Fokus insbesondere auf die Grundlagenforschung in den Pflanzenwissenschaften ist nahezu unübertroffen."

Wo haben Sie vorher gearbeitet und was waren Ihre Forschungsschwerpunkte?

Ich habe meine Doktorarbeit an der Universität Löwen in Belgien absolviert, wo ich mich mit der abwehrrelevanten Signaltransduktion bei Arabidopsis thaliana beschäftigt habe. Ich konnte zeigen, dass, während Salicylsäure-abhängige Immunsignale an der Abwehr biotropher Krankheitserreger beteiligt sind, Jasmonat-abhängige Immunsignale an der Abwehr nekrotropher Krankheitserreger beteiligt sind. Seit 2003 arbeite ich an der Universität Wageningen in den Niederlanden, wo ich meine Aufmerksamkeit langsam von Arabidopsis auf Nutzpflanzen, meist Tomaten, und von der Wirtsseite auf die mikrobielle Seite von Pathogen-Wirt-Interaktionen verlagert habe. Hier haben mich die Mechanismen fasziniert, die von pathogenen Pilzen zur Etablierung von Wirtsinfektionen genutzt werden, zunächst durch die Untersuchung der SamtfleckenkrankheitCladosporium fulvum und später durch die Untersuchung des breiten Wirtsspektrums des Pilzes Verticillium dahliae. Ich habe mich recht intensiv mit Effektormolekülen beschäftigt und versucht, ihre Wirkungsweise zu entschlüsseln und zu erklären, wie sie Pilzen helfen, Krankheiten zu verursachen. Das hat uns auch in den Bereich der Genomevolution und der Untersuchung der Anpassung von Krankheitserregern an ihre Wirte geführt. Von Verticillium dahliae ist bekannt, dass sie sich nur ungeschlechtlich vermehren, und die Frage, wie ein sich klonal vermehrender Krankheitserreger in der Lage ist, die Kompatibilität mit einem extrem breiten Spektrum von Wirtspflanzen, das Hunderte von Arten umfasst, aufrechtzuerhalten, erstaunt mich immer wieder. 

"Ich begrüße es sehr, dass ich einmal in meiner Karriere die Gelegenheit habe, anzuhalten, die Spur zu wechseln, meine Optionen sorgfältig zu prüfen und abzuwägen ...."

Was hat Sie am meisten daran gereizt, CEPLAS-Mitglied zu werden?

Als gemeinsame Initiative der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU), der Universität zu Köln (UoC), des Max-Planck-Instituts für Züchtungsforschung Köln (MPIPZ) und des Forschungszentrums Jülich (FZJ) versammelt CEPLAS eine große Gemeinschaft von Forschern in den Pflanzenwissenschaften mit einem sehr vielfältigen Kompetenzspektrum. Eine so große Gemeinschaft mit einem so starken Fokus insbesondere auf die Grundlagenforschung in den Pflanzenwissenschaften ist nahezu unübertroffen. Die molekularen Interaktionen zwischen Pflanzen und Mikroben sind eindeutig eines der Hauptforschungsgebiete von CEPLAS, was für mich als Pflanzenpathologe natürlich äußerst reizvoll ist. 

Haben Sie sich in Köln und an der Universität schon gut eingelebt? Was gefällt Ihnen in Köln am besten?

Nun, jeder Umzug braucht Zeit; es gibt so viel Neues zu entdecken und zu bedenken, so viele Dinge zu arrangieren! Ich kann also noch nicht sagen, dass ich mich gut eingelebt habe, alles läuft nach Plan und mit Volldampf. Aber ich fühle mich an der Universität zu Köln und bei CEPLAS sehr willkommen und genieße es, in diesem fantastischen Umfeld einen Neuanfang zu machen. Ich begrüße es sehr, dass ich einmal in meiner Karriere die Gelegenheit habe, anzuhalten, die Spur zu wechseln, meine Optionen sorgfältig zu prüfen und abzuwägen und die Lokomotiven für eine neue Reise auf einer neuen Spur zu einem neuen Ziel wieder zu starten. Da dies den Wechsel von einer sehr kleinen und fokussierten Universität zu einer sehr großen Universität mit einer Vielzahl von Disziplinen beinhaltet, die so viel mehr Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und zur Diversifizierung des Forschungsportfolios bietet, und auch von einer sehr kleinen Stadt zu einer großen und lebendigen Stadt, ist es eine wirklich erfrischende Erfahrung. Bis jetzt genieße ich jeden Augenblick davon! Jetzt muss ich nur noch mein Deutsch auffrischen.

 

Der originale Text ist in englischer Sprache und wurde für die deutsche Version übersetzt.

Heinrich Heine University
University of Cologne
Max Planck Institute for Plant Breeding Research
Forschungszentrum Jülich