Sechs Fragen an Shizue Matsubara

 

Frage 1

Was fasziniert Sie am meisten an den Naturwissenschaften?

Die Natur zu verstehen, ist die Faszination der Naturwissenschaft, die viele von uns teilen. Mit dem Fortschritt bei Wissen und Technik, der auch noch durch Ehrgeiz und Notwendigkeit angetrieben wird, beginnen einige von uns ein anderes Motiv zu empfinden, das normalerweise den Ingenieurwissenschaften zugeschrieben wird: die Kontrolle über die natürliche Welt. Die Kombination dieser beiden in Physik und Chemie, dem Verstehen und Kontrollieren, hat die Welt im letzten Jahrhundert geprägt. Heute erleben wir eine ähnliche Entwicklung in der Biologie - und in CEPLAS wird sie auch aktiv vorangetrieben. Das ist wirklich faszinierend!

Frage 2

Welche ist Ihre Lieblingspflanze und warum?

Ich kann mich nicht entscheiden, welche Pflanze meine Lieblingspflanze ist, aber es gibt eine Pflanze, für die ich fast 8000 Kilometer von der Ostküste zur Westküste Australiens und zurück gefahren bin. Nuytsia floribunda ist in Westaustralien beheimatet und gehört zu einer der drei Gattungen der terrestrischen wurzelparasitären Misteln, von denen alle sprossparasitären Mistelarten abstammen. Ich habe die Herkunft und Funktion eines einzigartigen Carotinoids in Mistelblättern untersucht und wollte wissen, ob dieses Pigment bereits während der frühen Mistelevolution aufgetreten ist. An einem Ort in der Nähe von Perth fand ich große Bäume von N. floribunda, deren Äste voller leuchtend orangefarbener Blüten und grüner Blätter waren. Die australischen Misteln haben auffällige Blüten, aber N. floribunda in voller Blüte bietet einen exquisiten Blick auf das sommerliche Weihnachtsfest in Down Under.

Frage 3

Welches Ereignis in Ihrem Leben als Forscherin ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?

Es war auf dem Internationalen Kongress über Photosynthese in Peking, 2010. Jian-Ren Shen präsentierte eine hochaufgelöste Kristallstruktur des Photosystems II und zeigte ein detailliertes molekulares Design der biologischen Wasserspaltung. Als er den Vortrag beendete, feierten die Menschen im Hörsaal mit langanhaltenden stehenden Ovationen die Errungenschaft – die Errungenschaft, die den Horizont unseres Wissens und unserer Möglichkeiten erweitert hat, die Errungenschaft, die auf der Arbeit und den Bemühungen von Generationen von Forscher*innen auf diesem Gebiet der Wissenschaft beruht. Ich war begeistert, ein Teil der Gemeinschaft zu sein.

 

Extra-Frage

Sie sind in Japan aufgewachsen, haben einige Jahre in Australien verbracht und leben seit langer Zeit in Deutschland. Welche Erfahrungen aus den verschiedenen Ländern sind Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?

In einem Inselstaat, in dem fast 99% der Bevölkerung japanischer Abstammung waren und immer noch sind, erhielt ich eine traditionelle (zu Hause) und internationale (an einer christlichen Schule) Ausbildung, die sich als gute Vorbereitung auf eine multikulturelle Lebensweise in meinen späteren Jahren erwies. Zum Beispiel begann ich im Alter von 4 oder 5 Jahren, Unterricht in chinesischer Kalligraphie und traditionellen japanischen Musikinstrumenten (Koto, Shamisen) zu nehmen, während ich als Teenager mehrere Sommer bei meiner italo-amerikanischen Gastfamilie in Kalifornien verbrachte. Und ich mochte beides!

Deutschland hat mein Interesse an der Biologie geweckt. Ich habe in Geisenheim Weinbau und Önologie studiert. Alle Kurse und Prüfungen wurden damals auf Deutsch abgehalten. Der Weinbau ist eine Kombination aus Naturwissenschaft, Technik und Kunst. Es gibt starke Auswirkungen von Genotypen (Riesling, Chardonnay, Grauburgunder, Merlot usw.), Wetterbedingungen (Jahrgang), Boden (Cru) und Wechselwirkungen mit Mikroben (Krankheit, Edelfäule, unterschiedliche Gärung). Viele Menschen schätzen diese Unterschiede und sind deshalb bereit, für Lieblingsphänotypen in Flaschen (manchmal viel!) mehr zu bezahlen.

Während meiner Doktorarbeit in Australien konnte ich in einer ungezwungenen und freundlichen Aussie-Atmosphäre Inspirationen und eine ausgezeichnete Ausbildung für meinen akademischen Weg erhalten. Die menschlichen Beziehungen sind dort viel weniger hierarchisch als in Japan, Europa oder den USA. Außerhalb der Arbeit lernte ich die Freude an Aktivitäten im Freien kennen, von denen Australien so viele zu bieten hat. Es war auch leicht, Arbeit, Freizeit und Abenteuer zu verbinden, wie die Reise durch Australien für N. floribunda oder mein erster „Elevator Pitch“ bei einem Symposium auf Heron Island im Great Barrier Reef. Ich konnte mich nicht beklagen!

Frage 4

Welchen Rat würden Sie jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geben?

Keine zwei Personen hatten je den gleichen Karriereweg. Erforsche und verfolge deinen eigenen!

Frage 5

Wenn Sie die Wahl hätten, welche wissenschaftliche Frage würden Sie gerne beantworten können?

Wie Pflanzen Recycling betreiben. Recycling ist wichtig für den Menschen und für Pflanzen, denn keiner von uns hat unbegrenzte Ressourcen. Aber der Prozess des Recyclings, der Remobilisierung, Umwandlung, Abbau, Umverteilung und (Re-)Synthese umfasst, ist in Pflanzen schwer zu studieren. Ich denke, wir können mehr von Pflanzen lernen, da sie seit Millionen von Jahren grünes Recycling betreiben. Einige "Experten", die an die Ressourcenknappheit angepasst sind, kennen vielleicht die Tricks, wie man die limitierende Ressource effizienter wiederverwenden kann.

Frage 6

Was machen Sie nach der Arbeit am liebsten?

Von Frühling bis Sommer genieße ich die Gartenarbeit auf der Terrasse zu Hause. Ich denke nicht an die berufliche Arbeit, während ich mich dort um meine Pflanzen kümmere, aber manchmal finde ich seltsame Phänomene, die mich fragen lassen, wie sie entstanden sind. Bücher lesen (obwohl in letzter Zeit mehr Zeitungen als Bücher) und Musik hören (oft mitsingen oder mitsummen) sind für mich wie Luft und Wasser.

 

Steckbrief

Name:

Shizue Matsubara

Position: 

Gruppenleiterin, IBG-2: Pflanzenwissenschaften, Forschungszentrum Jülich 

Bei CEPLAS seit:

2019

Geburtsort:

Tokia, Japan

 

Heinrich Heine University
University of Cologne
Max Planck Institute for Plant Breeding Research
Forschungszentrum Jülich